Weihnachten um 1800
Wihnachenobend
Dann goht se no boben,
dann pingelt de Glocken,
denn danzt de Poppen,
denn piept de Müs
in Grooßvadder sein Hüs!
Im Winter spielte sich das Leben der Familie und der „Knechtens und Deerns“ in der einzigen heizbaren Stube des Hauses ab. In der Ofenecke stand ein Lehnstuhl für den Hausherrn oder den Großvater, daneben einige einfache Stühle mit Strohsitz. Unter den niedrigen Fenstern lief die lange Holzbank mit der Rückenlehne entlang. Davor stand der Esstisch mit seiner geräumigen Schublade. Ein beschlagener Koffer, eine geschnitzte Truhe und ein Schrank ergänzten die Ausstattung der „Stuv“, an deren Wand sich auch noch ein oder zwei Alkoven (Wandbetten) befanden. Eine buntbemalte Wiege, der Fußschemel für die Hausfrau und die Feuerkieke - eine Art tragbarer kleiner Ofen, in dem Torf glimmte - das Tassenbord, ein kleiner Spiegel, das Löffelbrett und ein paar billige Druckbilder, das war die ganze Einrichtung der „Stuv“ - des Wohn-, Schlaf-, und Esszimmers - unserer Vorfahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
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Innenansicht einer alten Kate
Abends saß die Familie mit Knechten und Mägden frierend um den großen Tisch herum, denn der offene Herd oder der Ofen konnte die Stube nur auf wenige Grad über der Außentemperatur beheizen. In der dunklen Vorweihnachtszeit verbreitete eine kümmerliche Tranlampe ein trübes Licht. Die Kinder hatten Buch und Tafel vor sich, denn Winterzeit war Schulzeit. Im Sommer mussten sie meistens arbeiten, für die Schule war da kaum Zeit. Die Frauen beschäftigten sich Spinn- und Strickarbeiten, und die Männer banden Reisigbesen oder flochten Stroh. Man ging früh zu Bett, denn um 4 Uhr war die Nacht vorbei und die Tagesarbeit begann im Stall und auf der Tenne. Die Knechte schliefen in der Futterkammer, die Mädchen hatten ihre Bettstelle unter der „Lucht“, dem Raum zwischen der Stube und dem Stall.
Zu Weihnachten gab es keine Tannenbäume in den Häusern. Sie kamen erst nach 1820 zunächst in den Städten auf. Vor Weihnachten wurde ein Schwein geschlachtet und Kuchen gebacken.. Zu Weihnachten stellten die Kleinen, ehe sie zu Bett gingen, einen Teller vors Fenster, damit „Kinnjees“ ihnen möglicherweise einige Äpfel, Nüsse oder „Pepernöt“ darauf legte. Am Weihnachtsabend brannten dann statt der gewöhnlichen Tranlampe zwei oder drei selbstgegossene Talglichter, bei deren festlichem Schein die Familie eines der alten Weihnachtslieder sang. Die Kinder und die Dienstboten bekamen den einen oder anderen nützlichen Gegenstand zum Geschenk, der in Oldenburg, Neustadt oder einer anderen Stadt besorgt worden war. Vater holte auch wohl „dat Book“ her und las das Weihnachtsevangelium. Dann - und das war der Höhepunkt des Weihnachtsfestes - kam das leckere Festmahl, Schweinernes oder auch eine Gans. Man saß noch ein wenig auf und die Kinder spielten. Beim „Utmälern“ hielt jeder seine kleinen Fäuste hin und einer sagte: „Ipperie, sipperie, sapperie sei, knipperie, knapperie, knull.“ Bei jedem Wort tippte er der Reihe nach auf eine der vorgestreckten Fäuste, bei „knull“ verschwand die angetippte Faust hinter der Rücken. Wer zum Schluss noch eine Faust im Spiel hatte, der war „dran“. Ja, und dann ging's los mit „Nutt, Putt, Jiepsteert“. Das war ein Glücksspiel. Der Spielende nahm aus seinem Nussbeutel eine, zwei oder drei Nüsse heraus und fragte bei geschlossener Hand: „Nutt, Putt oder Jiepsteert?“ Kam die Antwort „Nutt“ (eins), er hatte aber drei (Jiepsteert) in der Hand, so musste der Mitspieler die fehlenden Nüsse auszahlen. Sagte der Mitspieler aber die richtige Zahl an, so hatte dieser die in der Hand befindlichen Nüsse gewonnen.
Zwischen den Festtagen, ursprünglich bis zu den „Heiligen Drei Königen“, durfte keine große Wäsche gewaschen und kein Ackergerät auf dem Feld gelassen werden. Auf der Hofstelle war in dieser Zeit eine ungedroschene Hafergarbe auf einer langen Stange aufgestellt. Das war noch ein Brauch aus vorchristlicher Zeit, als man Wodans Ross Sleipnir mit dem Hafer bedenken wollte.
Der letzte Abend des alten Jahres brachte wieder reichliches und gutes Essen. Da gab es „Grooten Hans“ mit Sirup und „rökert Fleesch“ und auch „Förten“ (auch Fürtjen, in Schmalz gebackene Berliner Pfannkuchen), und man trank dazu gesüßtes Haferbier und Met. Die Kinder bauten sich aus einer Blase, einem Topf und einem Rohr oder Besenstiel einen „Rummelputt“, verkleideten sich und gingen singend und musizierend von Haus zu Haus, um Gaben zu sammeln.
Rummel, rummel, röschen!
Gif mi wat in’t Pöschen.
Lat mi hier nich länger stohn,
Ik schall von Dag noch wieder gohn!
Vom Himmel hoch, da kom ik her.
Lang mi mal en paar Fürtjen her!
Sünd se wat grot, dann hett keen Noth;
Sünd se wat kleen, gif mi twee för een.
Uwe Stock
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Alte Kate im Schnee
Die Holzschnitte wurden entnommen aus: Schmarje, Johannes und Johannes Henningsen. Die Nordmark. Ein Heimatbuch für Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. 6. Auflage Leipzig 1923. S. 279 und 296.