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Kriegervereine: vom Eisernen Kreuz und kaiserlichem Fahnennagel
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Vossgraben
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Kriegervereine: vom Eisernen Kreuz und kaiserlichem Fahnennagel

Kampfgenossen Kabelhorst im Kaiserreich


Im Juni 1874 schlossen sich 56 ehemalige Kriegsteilnehmer zum „Verein der Krieger von 1870/71 und Kampfgenossenverein 1848/51 zu Kabelhorst“ zusammen. Aus Kabelhorst waren das Ludwig Baur, Ernst Frahm, August Schlichting, August Köhler und Ludwig Bahr und aus Schwienkuhl Ludwig Mansfeldt, Wilhelm Möding, Johann Bahr, Fritz Plöger, Johann Prüß und Ernst Kripke. Weitere Mitglieder kamen aus Koselau, Riepsdorf, Quaal, Bökenberg, Manhagen, Rüting, Gosdorf, Sipsdorf und Lensahn.

Mit der Vereinsgründung in Kabelhorst befanden sich die ehemaligen Soldaten in guter Gesellschaft. Überall im Deutschen Reich wurden nach den Kriegen von 1864 (Preußen und Österreich gegen Dänemark), 1866 (Preußen gegen Österreich), 1870/71 (Preußen und andere deutsche Staaten gegen Frankreich) und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs (18. 1. 1871) unzählige Kriegervereine gegründet. Bis 1914 wurde daraus der mitgliederstärkste Vereinstyp in Deutschland. In Schleswig-Holstein waren 5 % der Gesamtbevölkerung in Kriegervereinen organisiert. Im Kreis Oldenburg betrug der Anteil sogar 7 % und auf dem Lande teilweise 9 %.

Diese Kriegervereine bildeten eine bedeutende Massenbasis der deutschen Großmachtpolitik und ihres Militarismus. Bismarck erkannte früh die große Bedeutung des Kriegervereinswesens für die Pflege der patriotischen Gesinnung und damit der Absicherung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Wichtigstes Druckmittel von Regierung und Behörden war der Wunsch der Vereine nach einer repräsentativen Vereinsfahne mit militärischen Emblemen („Eisernes Kreuz“) und preußischen Farben und Hoheitszeichen (preußisch schwarz-weiß und preußischer Adler). Als Gegenleistung mussten die Vereine Bekenntnisse der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich in die Satzung aufnehmen, auf politische Diskussionen verzichten und „staatsfeindliche Elemente“, also zumeist Sozialdemokraten, ausschließen.

Bei der Gängelung der Kriegervereine ging es der Regierung und den Behörden um die Sammlung aller staatsloyalen Kräfte im Kampf gegen die Arbeiterbewegung. Alle Maßnahmen waren aber letztlich vergeblich. Der Aufstieg der SPD konnte nicht aufgehalten werden.

Diese Instrumentalisierung der Kriegervereine im Kampf gegen die Sozialdemokratie spiegelt sich in einer Akte im Lensahner Gemeindearchiv. Kriegervereine erhalten nur dann eine Fahne, wenn „die Haltung des Vereins stets eine loyale gewesen ist“ und wenn „die Stärkung der Liebe und Treue für Kaiser und Reich ausdrücklich als Vereinszweck“ in die Satzung aufgenommen wird. Am 2. 10. 1890 – einen Tag nach dem Ende des Sozialistengesetztes – wurde die Überwachung der Kriegervereine durch die preußische Regierung verschärft und die örtlichen Behörden zur Meldung aller in ihrem Bereich vorhandenen Kriegervereine aufgefordert. Der Amtsvorsteher in Lensahn meldete u. a. den „Kampfgenossenverein 1848/1870 zu Kabelhorst, gegründet 1. 5. 1874, 45 Mitglieder, Waffen werden nicht geführt.“ Am 24. 1. 1891 folgte eine vertrauliche Anweisung über „Maßregeln zur Abwehr des Eindringens sozialdemokratischer Elemente in die Kriegervereine“. Die Erlaubnis zur Führung einer Fahne wird nur erteilt, wenn „dieselben in ihre Statuten besondere, auf Vaterlandsliebe und Königstreue bezügliche Bestimmungen aufnehmen“.

Ende 1891 entdeckte die Regierung, dass der Kampfgenossenverein zu Kabelhorst eine nicht genehmigte Fahne führte. Der Vorstand wurde aufgefordert, einen Genehmigungsantrag zu stellen und „die patriotische und königstreue Gesinnung“ des Vereins zu erklären. Der Vorstand gab umgehend die geforderte Erklärung ab und erhielt die Genehmigung zur Führung der Fahne, allerdings musste der Verein „die Zugehörigkeit zu Preußen durch ein schwarz-weißes Band mit Quasten“ dokumentieren.

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Die Fahne von 1881 - das "schwarz-weiße Band mit Quasten" ist am linken Bildrand zu erkennen


1891 wurde der Kampfgenossenverein zu Kabelhorst auch zur Satzungsänderung aufgefordert: „Pflege , Bethätigung und Stärkung der Liebe und Treue für Kaiser und Reich“ müssten in die Satzung aufgenommen werden, „bei den Verhandlungen des Vereins muss jede Erörterung politischer und religiöser Angelegenheiten, sowie über militärische Einrichtungen, Anordnungen und Befehle ausgeschlossen sein“ und „Mitglieder, die nicht kaisertreu sind“, müssten ausgeschlossen werden. Der Verein meldete Vollzug: im neuen Statut von 1891 wurde die Formulierung „Stärkung der Liebe zu Kaiser und Reich“ aufgenommen.

1899 nahte das 25jährige Jubiläum. Bei solchen Ereignissen wurde den Kriegervereinen in der Regel ein kaiserlicher Fahnennagel verliehen. Vorher wurde aber die Loyalität des Vereins vom Innenministerium überprüft. Erst als Amtmann Johannsen die „volle Hingabe des Vereins an die großen patriotischen Aufgaben“ bestätigte, wurde der Fahnennagel überreicht.

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Der kaiserliche Fahnennagel


Da der Verein nur ehemalige Kriegsteilnehmer aufnahm, nahm die Anzahl der Mitglieder naturgemäß ab. Dabei hätte sich eine Satzungsänderung angeboten, die auch ehemaligen Wehrpflichtigen die Mitgliedschaft ermöglicht hätte. Genügend potentielle Mitglieder waren im Ort und in der Nachbarschaft vorhanden. Ein solcher Versuch wurde 1906 gestartet. Der Kabelhorster Gastwirt Gericke beantragte die Genehmigung eines neuen Kriegervereins für Kabelhorst und Umgebung und reichte dafür alle erforderlichen Unterlagen ein. Die Behörden wunderten sich darüber, dass in einem so kleinen Ort ein zweiter Kriegerverein gegründet werden sollte und regten beim Kampfgenossenverein die Aufnahme von „Nicht-Kombattanten“ an. Der Vorsitzende, Pastor Meyer aus Lensahn, gab in seinem Antwortschreiben die Gründe für die Weigerung an: „Ich hatte Veranlassung, den Aushang eines sozialdemokratischen Flugblattes im Vereinslokal (Gastwirt Gericke) zu rügen“. Gericke wandte sich an die Spitze des preußischen Kriegervereins in Berlin, um den Kriegerverein doch noch gründen zu können, allerdings vergeblich. Am 26. 3. 1906 teilte ihm der Amtsvorsteher mit, dass „ich die Satzung nicht bestätige, weil ich ein Bedürfnis zur Gründung eines Militär-Vereins ... nicht erkennen kann“.

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Schankwirtschaft Gericke



Der Kabelhorster Kampfgenossenverein hatte 1910 nur noch 20 Mitglieder. 1912 beschloss die Militärische Kameradschaft Lensahn, in die bereits viele Reservisten aus Kabelhorst und Schwienkuhl eingetreten waren, dem Kampfgenossenverein geschlossen als nichtzahlendes Mitglied beizutreten und „dass sie den älter werdenden Veteranen des Kampfgenossenvereins zu Kabelhorst in jeder Weise hilfreich zur Seite steht, die Aufgaben des Vereinslebens im Kampfgenossenverein zu erfüllen. ... die Vorstandsgeschäfte zu erledigen ... und die Ausgaben bei Beerdigungen von Veteranen bestreiten zu helfen“. Die Kabelhorster Veteranen bedankten sich für dieses Entgegenkommen: „Infolge des Entgegenkommens ... ist eine Auflösung des Vereins erst beim Tode des letzten Vereinsmitglieds erforderlich. Dasselbe hat rechtzeitig dafür Sorge zu tragen, dass das dann vorhandene Eigentum des Vereins der Militärischen Kameradschaft zur gefälligen Aufbewahrung übergeben wird.“

Somit wurde der 1924 eigentlich nicht mehr existente Verein mit einem Mitglied, nämlich Pastor Meyer, noch im Hand- und Adressbuch des Kreises Oldenburg aufgeführt („Stärke 1, Vorsitzender, Schriftführer und Kassenführer P. Meyer.“)

In der Weimarer Republik gehörten die Kriegervereine zum antidemokratischen Bodensatz. Sie weigerten sich, an Verfassungsfeiern teilzunehmen und unter den neuen Nationalfarben anzutreten.

Im Januar 1933 begrüßte die große Mehrheit der Kriegerverbände die „Machtergreifung“ Hitlers. 1934 wurden sie in die SA eingliedert und 1938 in „Reichskriegerbund ‚Kyffhäuser’“ umbenannt.

Quellen (Archiv Gemeinde Lensahn)
Akten betr. den Kampfgenossenverein zu Kabelhorst
Akten betr. Gründung eines Militärvereins in Kabelhorst
Akten betr. Krieger- und ähnliche Vereine – Generalia
Akten betr. die militärische Kameradschaft zu Lensahn
Protokollbuch der Militärischen Kameradschaft Lensahn

Literatur
Zimmermann, Harm-Peer. „Mit Gott für Kaiser und Reich“ – Kleinbürgerlicher Gesinnungsmilitarismus zur Kaiserzeit. In: Paul, Gerhard u. a. (Hg). Geschichtsumschlungen. Sozial- und kulturgeschichtliches Lesebuch Schleswig-Holstein 1848 – 1948. Bonn 1996, S. 87 – 92.

Uwe Stock


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"Kriegs-Gedenkmünze von Stahl am Combattanten-Bande" für Friedrich Plöger aus Schwienkuhl, Gemeinde Kabelhorst


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Liederbuch für Kriegervereine von 1897


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Propaganda für die Hohenzollern-Monarchie - Postkarte von 1898




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"Es braust ein Ruf wie Donnerhall" - Propagandapostkarte von 1915



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Zu besonderen Anlässen trugen die Vereinsmitglieder diese Medaille "aus eroberter Kanonen-Bronce"



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Fahnennagel von 1899


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Nach dreitägigen schweren Kämpfen errangen die österreichischen, preußischen, russischen und schwedischen Truppen am 19. Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig den entscheidenden Sieg über Napoleon. Die Schlacht markierte den Beginn des Zusammenbruchs der napoleonischen Herrschaft in Europa.
Der Sieg über Napoleon spielte für das Nationalgefühl der Deutschen besonders im Kaiserreich eine bedeutsame Rolle, wie die Gedenkmedaille von 1913 („Der König rief und alle, alle kamen. Mit Gott für König und Vaterland.“) aus dem Nachlass von Friedrich Plöger, Schwienkuhl beweist.

13.02.2010 16:50
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